Was für ein verrückter Tag: 8.7. HanseStadtFest „Bunter Hering“ in Frankfurt (Oder)

Veröffentlicht: 18. Juli 2016 von reggaefreaksen in Allgemein

Chronologie eines verrückten Tages

10:00 Uhr: ‚Gruppe Karl Marx Stadt‘ (spielen vor uns am Abend) ruft an: „Tony, unser Trommler hat ’ne kaputte Hand. Kannst du ihn heute Abend in Frankfurt vertreten? Du spielst doch sowieso mit den Small Town Artists.“ Tony: „Klar, das bekommen wir schon hin, auch ohne Probe. Gefühl gewinnt“ (Zitat von Olaf Schubert).

12:00 Uhr: Tony, Björn und Johannes starten in Leipzig pünktlich zum HanseStadtFest ‚Bunter Hering‘ nach Frankfurt (Oder). Maurice (Orgel) und Bodo (Kontrabass) kommen später nach. Es ist das zweite Konzert mit der neuen Besetzung und alle sind nach einer erfolgreichen Probe am Vorabend bestens gelaunt und voller Vorfreude auf alles was kommt.

12:30 Uhr: Es riecht komisch nach verbranntem Kunststoff im Bus – wir fahren von der Autobahn in eine Seitenstraße im schönen Brehna und bitten dort stehende Leute, die Feuerwehr zu alarmieren. Alle verlassen zügig den Bandbus.

12:31 Uhr: Wir beschließen, alle Instrumente zu retten.

12:33 Uhr: Der Bus brennt lichterloh, wir suchen noch um den Bus herumliegende Instrumente und schaffen sie weiter weg – ein Feeling wie in einem hirnrissigen Actionfilm.

12:35 Uhr: Die Feuerwehr ist da – es war ein einfacher Kabelbrand und sowas geht laut Feuerwehr selten gut aus, da alles ganz schnell kommt, auch bei modernen Autos.

12:36 Uhr: Die Anwohner bringen Bier.

14:00 Uhr: Tony entdeckt beim Schaum umhüllten Bus einen Stapel mit halb verkokelten Flyern, die wir vor der Abfahrt noch vom Expressservice geliefert bekamen.

15:00 Uhr: Der Bus wird fertig gelöscht vom ADAC abgeholt. Dort erfahren wir dann auch beiläufig, dass es innerhalb von 50 Kilometern vom Wohnort kein kostenloses Ersatzfahrzeug gibt.

15:30 Uhr: Bodo, unser Bassist ist da und holt Bassverstärker und Kontrabass – er muss 20 Uhr noch ein anderes Konzert in Spandau mit ‚RAT RACE‘ spielen. Den weiteren Transport der 3 Musiker und des handlicheren Equipments übernimmt Björn’s Vater, der sich aus dem 90 km entfernten Altenbach sofort auf den Weg macht und dort alles stehen und liegen lässt, nachdem er sein gerade eben mit Schutt und Ästen vollgeladenes Auto wieder entlehrt hat.

16:00 Uhr: Wir holen Schlagzeug und Gitarre raus und drehen 2 Videos auf der Straße.

17:00 Uhr: Björns Vater startet mit uns nach Frankfurt. Der Ford S-MAX ist mit 4 Personen und Schlagzeug, Verstärkern, Gitarren, Tasten etc. so voll gepackt, dass darin kaum noch Platz zum Atmen ist.

20:00 Uhr: Nach Stauumfahrungen endlich da. Bier muss her.

21:00 Uhr: Sturm und Unwetter. Statt die Instrumente vor dem Feuer zu retten, mussten diese nun im Backstage-Pavillon vor dem immensen Regen mit Planen und Decken geschützt werden.

21:20 Uhr: Tony spielt mit der ‚Gruppa Karl-Marx-Stadt‘ ein unglaubliches gute Laune- und TanzKonzert. Als ob sie schon Jahre nichts anderes gemeinsam tun. Der MP3-Player mit den am Vormittag noch schnell an ihn geschickten Songs zur Vorbereitung ist übrigens gemeinsam mit seinen Reggae-Noten und sämtlichen persönlichen Papieren ein Opfer der Flammen geworden.

21:30 Uhr: Bodo fährt pünktlich auf der Freilichtbühne an der Zitadelle Spandau los nach Frankfurt. Mit ihm im Auto seine und nun auch unsere Tontechnikerin ‚Frau B.‘.

22:30 Uhr: Bier.

22:45 Uhr: Maurice kommt am Hauptbahnhof an und schafft es nach einer langandauernden Zugverspätung nun doch pünktlich auf die Hauptbühne zur Münchner Freiheit, merkt aber schnell, dass er eigentlich mit uns spielen soll und trifft zeitnah ein.

23:00 Uhr: Beim Aufbau und Soundcheck fällt auf, dass Maurice seine Melodika sowie Keyboardständer fehlen und wahrscheinlich noch im verbrannten Bus liegen. So werden die Tasten zum Spielen auf eine Kiste gepackt.

23:20 Uhr: Showtime auf der Bühne am ‚Holzmarkt‘. Bodo steht im 8 Kilometer langen Stau vor Frankfurt. Das Handy-Navi hatte sich bereits ins polnische Mobilfunknetz eingewählt und wegen deaktivierten mobilen Daten bei Roaming nicht darauf hingewiesen. Für diesen Fall hatten sich unser Gitarrist Jo als Basser auf ein paar Songs vorbereitet und direkt seine Leidenschaft für dieses Instrument angesichts tollem Sound & Licht und der tanzenden Menschen (wieder)entdeckt. Wir bringen den Leuten gute Laune und genießen den Abend in Frankfurt bei Reggae, Ska und Rocksteady von Björn Stasch und einigen wenigen Coversongs. Der Ablauf (inklusive Songabfolge) erfolgt so frei, wie nie zuvor, da die wenigen vom Jo am Bass vorbereiteten Songs schon längst gespielt sind und sowieso nur noch improvisiert werden kann. Irgendwann funktioniert auf wundersame Weise dann auch das Keyboard wieder – es war wahrscheinlich hart aufgeschlagen auf der Wiese beim Evakuieren aus dem Bus.

00:00 Uhr: Pause nach dem ersten Set. Feuerwerk. Die Nachfrage nach den halb verbrannten und klebrigen Flyern ist hoch.

00:10 Uhr: Showtime die Zweite.

00:52 Uhr: Bodo kommt auf die Bühne und übernimmt den Bass für die letzten 4 Lieder. Johannes stimmt kurz seine Gitarre und alles wird letztendlich gut auf der Bühne direkt an der Oder.

2:00 Uhr: Bier und gute Laune.

5:00 Uhr: Wir fallen in’s Hotelbett.

7:30 Uhr: Frühstück I. Maurice muss 13 Uhr in Leipzig eine Trauung am Piano begleiten, Bodo & Frau B. werden 16 Uhr in Frankenberg zum Soundcheck für das nächste RAT RACE – Konzert erwartet.

9:30 Uhr: Frühstück II. Wir lassen bei einem ausgiebigen Frühstück alles noch einmal Revue passieren und fahren im Bandbus der ‚Gruppa Karl-Marx-Stadt‘ nach Leipzig zurück. Einfach so. Ohne Zwischenfälle.

10:40 Uhr: Das erste Auto macht auf der Heimreise einen kurzen Stopp in Brehna und findet dort im Feld den vermissten Keyboardständer. Jetzt fehlt nur noch die Melodika. Diese fischt Tony einen Tag später am Schrottplatz aus dem Kofferraum seines Busskeletts. Außer ein paar kleinen Brandspuren am Case, scheint sie noch unversehrt zu sein.

Wir möchten uns bei allen Menschen bedanken, die uns an diesem Tag so hilfsbereit, freundlich, tanzend & lächelnd begegnet sind. Unser besonderer Dank gilt dem www.Facebook.com/VerbundBreGleRen für das schnelle und professionelle Handeln und die (leider) tollen Fotos. Und den Nachbarn für das Bier.

Bitte mehr Reggae!

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